Franken - Dou, wo die Hosen Hus`n has`n und die Hasen Hos`n has`n

 

 

 

 

Is scho rechd, istscho rechd!

Mundart ist wie eine Tür ins Haus der fränkischen Sprache. Hier darf als Beispiel zunächst der Ausruf "Allmächd!" angeführt werden. Er wird immer benutzt, wenn Worte nicht mehr ausreichen. Harte Konsonanten sind der Sprache ein Greuel. Deswegen immer die Frage, ob man etwas mit "weichem odder haddn beh" schreibt. Gleich hierhin paßt das wichtigste Wort:"Errberrd", die Arbeit. Ihr haftet etwas Schicksalhaftes an, sie bestimmt alles. "Haubdsach, ma is gsund und houd sei Errberrd. Mehr komma goa ned verlanga."

 

Der kleine fränkische David zeigt dem hochdeutschen Goliath ungeniert den Götz von Berlichingen. Mundart sei etwas für "Linksdenker", wie man einen solchen in Karl Valentin sieht, der ohne seinen Dialekt undenkbar wäre, so Kurt Tucholsky. Ein "Linksdenker" gibt sich nicht mit der Wirklichkeit zufrieden, er hinterfragt sie wie ein Kind, dass seine ersten Fragen stellt. Schnell stellt sich dabei heraus, wie brüchig das Gebäude unserer Logik ist. "Warum moußdn suviel redn? Es ist ja suwisu worschd, wos sachsd!"

 

"Nix gecha hochdaidsche Gedichde! Obba manchmoll kummers ma su vua, wäi lauda schäine heiser mid lauda schäine fensdala, obba wemma neigäih will, fähld di dia!" Die Tür ins haus der Sprache kann die Mundart sein. Doch mehr und mehr fristet die Mundart ein Schattendasein. Aber vielleicht hält sie sich gerade deswegen umso hartnäckiger und wird resistent wie ein Unkraut, das allen Pestiziden zum Trotz immer wieder nachwächst. Trotzig setzt die Mundart dem langweiligen Dummdeutsch der Medien ihr "edz erschd rechd!" entgegen.

 

Die Lieblingsbeschäftigung der Franken ist das Frotzeln ohne Ende. Mundart erhält so etwas von einem Uhrwerk. Man genießt es, aufgezogen zu werden. Wußtest Du übrigens, daß "Lumberei" der absolute Gegensatz zur Arbeit ist?

 

Die historische Zersplitterung und andauernde Teilung der fränkischen Regionen in ungezählte kleine Würfel spiegelt sich in der fränkischen Seele wider: "Feuerwehr: lösch amoll a Feia ohne Uniform - des hodd doch goa kann Reschbeckd!"

 

Mit dem notwendigen "Reschbeckd" vor der Mundart des Franken noch ein Schwenk an den Mittagstisch, an dem sich ein älteres Paar im Dialog gegenüber sitzt: Sie: "Schmeckds?" Er:"Der Hunga dreibds nei." Sie: "Und obs dir schmeckd! Eß fei ned dein Della miid." Er: "Im Moong kummd allers zamm." Sie:"Du waßd, daßd heid midm Abschbüln droo bisd?" Er: "Wennsd du aa dein Della aaf ißd, houi ann Haffn Errberrd erschbard."

 

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